Phenylethylamin (PEA) in Kakao

Phenylethylamin (PEA) in Kakao

“Die wohl einflussreichste Liebes-Verbindung in Schokolade ist PEA, Phenethylamin. Diese Chemikalie, die in Schokolade in geringen Mengen vorkommt, stimuliert das Nervensystem und löst die Freisetzung von genussvollen opiumähnlichen Verbindungen aus, die als Endorphine bekannt sind. PEA potenziert auch die Aktivität von Dopamin, einer Neurochemikalie, die direkt mit sexueller Erregung und Lust in Verbindung gebracht wird. Während es in der Natur sehr viele Wirkstoffe gibt, die die Libido steigern und die sexuelle Funktion verbessern, fördert Schokolade allein tatsächlich die Gehirnchemie des Verliebtseins.”
- Chris Kilham, the Medicine Hunter
In diesem Post nehme ich die für mich interessanteste Chemikalie in Kakao unter die Lupe: Phenylethylamin, abgekürzt PEA. 

Warum sticht PEA im Kakao so heraus zwischen Koffein, Theobromin und anderen bioaktiven Substanzen?

Das erste Mal, dass ich von PEA als aktiven Inhaltsstoff in Schokolade gelesen habe, war in einer Studie eines polnischen Forscherteams, die den Einfluss des Röstens auf die biochemische Zusammensetzung von Kakao untersucht haben. Sie fanden zum einen heraus, dass das Rösten einen signifikanten Einfluss auf den Gehalt von Dopamin, Serotonin und PEA hat und dass sowohl Temperatur als auch Luftfeuchte im Röstschacht eine große Rolle dabei spielen, wie sich die Biochemie des Kakaos verändert. PEA war bis zu zehnmal mehr in gerösteten Kakaobohnen vorhanden als in rohen - unter den richtigen Röstbedingungen potenziert sich also die Anzahl mancher bioaktiven Substanzen. Das steht in krassem Gegensatz zum Marketing-Hype des “Rohkakaos”, der uns weismachen will, dass das Rösten von Kakao eine schlechte Idee sei. Zum anderen untersuchte das Forschungsteam jedoch nicht nur eine Kakaosorte und röstete sie - nein, sie untersuchten mehrere, aus verschiedenen Anbaugebieten rund um den Globus, die mittels unterschiedlicher Anbauprinzipien angebaut wurden. Das Resultat war absolut verblüffend.
Variance of Bioactive Compounds in Different Cacao Strains

Die Potenz von Kakao variiert stark zwischen verschiedenen Sorten und Anbaugebieten

Es scheint eine signifikante, große Varianz zwischen verschiedenen Kakaosorten zu geben, was den Gehalt an Dopamin, Serotonin und PEA angeht. So groß ist der Unterschied, dass die potenteste untersuchte Sorte über sechsmal (6x) so viel PEA enthält wie die schwächste Sorte. Vergleich das mal mit bioaktiven Substanzen und Genussmitteln, die du sonst so kennst: Stell dir vor, eine Sorte Kaffee würde sechsmal so viel Koffein enthalten wie eine andere. Du würdest mit jedem Espresso-Shot so viel Koffein aufnehmen wie sonst in sechs des “normalen” Kaffees. An dieser Stelle will ich nochmal bemerken, dass in der zitierten Studie lediglich eine Handvoll kommerziell einfach verfügbare Kakaosorten untersucht wurden. Es ist davon auszugehen, dass manche der über 3000 Kakaosorten auf der Welt 10 oder 20 Mal so viel PEA aufweisen wie andere.  

Hat PEA etwas mit dem zeremoniellen Charakter von Kakao zu tun?

Seit ich mit zeremoniellem Kakao arbeite und viele Yogalehrerinnen, Heilerinnen und diverse abgedrehte Vögel mit Kakao für Zeremonien beliefert habe, stellt sich mir die eine, große Frage: Was um alles in der Welt macht Kakao “zeremoniell” oder “für Zeremonien geeignet”?

PEA und zeremonieller Kakao

Mittlerweile habe ich die Antwort auf diese Frage. Zeremonieller Kakao zeichnet sich vor allem durch seine Potenz aus. Theoretisch sollte man das gleiche Gefühl bekommen, wenn man entsprechende riesige Mengen an industriell hergestellter Schokolade konsumiert, die ja auch geringe Mengen an bioaktiven Substanzen wie PEA enthält.

Je nachhaltiger, desto potenter

Natürlich wird zeremonieller Kakao unter ganz anderen ökologischen und sozialen Bedingungen angebaut und unterscheidet sich deswegen in seinem ökologischen Fußabdruck und dem positiven Einfluss auf die Kakaobauern massiv von industrieller Massenware. Meine persönliche Meinung (noch nicht wissenschaftlich belegt) ist, dass es genau diese Anbaubedingungen sind, die dem Kakao erlauben, sein ganzes biochemischen Potenzial zu entfalten. Wir sehen in anderen Agrarprodukten aus Bioanbau bzw. aus Permakulturen ähnliche Effekte - ein schonender Anbau sorgt für mehr Mineralien & Vitamine im EndproduktManche würden auch sagen, dass durch den rundum nachhaltigen und respektvollen Umgang mit Kakao der ganzen Pflanze und damit auch dem Endprodukt ein anderer “Spirit” anheftet. Ich würde mir stark wünschen, dass das so wäre, auch wenn ich für derlei Erklärungen nicht sonderlich empfänglich bin.

Zusammengefasst

Zeremonieller Kakao als Heilpflanze zeichnet sich durch seine hohe Potenz - also dem Vorhandensein von deutlich mehr bioaktiven Substanzen - aus als es bei industriell produzierter Massenware der Fall ist. Die wohl einflussreichste chemische Verbindung für den euphorisierenden und anregenden Effekt von Kakao ist in meinen Augen Phenylethylamin, kurz PEA.
Enjoy,
Jonas

Ich trank während des Schreibens: Sur de Lago aus Venezuela 🇻🇪

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Moruga Buchweizen-Porridge
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